Rückblick Webinar Teil 3: Vom E-Paper zur Digital Edition: Wie Verlage jetzt umsetzen, was sonst nur Branchengrössen konnten
Am 22. Januar fand der dritte Teil unserer Webinarreihe mit Purple statt. Diesmal haben wir gemeinsam mit Galledia gezeigt, warum das E-Paper wächst, wie das regionale Medienhaus in kurzer Zeit messbar umstellt – und wohin die Reise mit «Digital Editions» als smartphone-optimierte Ausgabe geht.
Erstellt von Marina Schinner am 26.01.2026 in Redaktion & Publishing , Webinare

Zu Beginn ordnete Christoph Brun (a&f systems) das Thema in den Publishing-Circle-Kontext ein: E-Paper war schon einmal «in aller Munde», flachte dann ab – und gewinnt jetzt wieder an Relevanz. Gründe sind neue Nutzungsmuster und neue Möglichkeiten, etwa durch Automatisierung und KI.
Benjamin Kolb (CTO & Mitgründer, Purple/Sprylab) lieferte dazu die Marktsicht:
- E-Paper ist im deutschen Markt seit Jahren auf Wachstumskurs (IVW-Auswertung)
- Der Branchenblick (BDZV-Trendumfrage) erwartete für 2025 sogar zweistelliges Wachstum – inklusive Erlösen
- Spannend: Über 50 % der Nutzung erfolgt auf dem Smartphone – trotz «Zeitungsseite auf kleinem Screen»
Gerade dieser Punkt wird zum Treiber: Wenn das Smartphone Leitgerät ist, muss sich auch das Produkt weiterentwickeln.
Praxis-Case Galledia: «Wir digitalisieren unsere Leserinnen und Leser»
Martin Oswald (Verlagsleiter Regionalmedien, Galledia) zeigte sehr konkret, wie ein regionales Medienhaus in kurzer Zeit Wirkung erzielt hat – mit Fokus, Klarheit und einem starken Angebot.
1) Der Hebel: E-Paper statt «Subscription Game»
Galledia stand vor dem typischen Dilemma: Print rückläufig, Digital-Abos schwer skalierbar (Skills, Ressourcen, Technologie). Der strategische Entscheid: E-Paper priorisieren, weil sich hier «mit relativ wenig Aufwand viel bewirken» lässt – und weil die Zielgruppe bereit ist, für Journalismus zu zahlen.
2) Grundlage: ein stabiles, gutes Produkt
Der Wechsel von einer reinen PDF-Ansicht zu einer modernen E-Paper-Lösung (u. a. mit Artikelleseansicht und anpassbarer Schrift) war die Basis. Wichtig war dabei nicht nur «mehr Funktionen», sondern vor allem: Zuverlässigkeit. Nichts schadet mehr als Ausfälle am Morgen.
3) Vermarktung: persönlich, direkt, wirksam
Die stärkste Wirkung erzielte nicht eine digitale Kampagne, sondern ein Brief an die Abonnentinnen und Abonnenten – kombiniert mit einem klaren Angebot und Preisvorteil. Dazu kamen Präsenz-Aktionen (Messen, Tablet-Demos) und die klare Botschaft: E-Paper ist früh verfügbar – schneller als der Briefträger.
Das «All-in-One»-Bundle: Technologie + Service = Bindung
Ein zentraler Erfolgsfaktor bei Galledia war das Bundle: 2-Jahres-E-Paper-Abo inklusive Tablet (mit kleinem Selbstbehalt) – und der entscheidende Zusatz:
«Persönliches Einrichten vor Ort (ca. 30 Minuten)»
Galledia richtete die Geräte für die Käuferinnen und Käufer persönlich ein. Das reduzierte Hürden massiv – besonders bei einer Zielgruppe, die bei Accounts, Passwörtern, WLAN & Co. schnell überfordert ist.
Nebeneffekt mit grosser Wirkung: Leserbindung durch echte Begegnung.
Oswald beschrieb es treffend: 330 verkaufte Bundles bedeuten 330 Gespräche – inklusive Wertschätzung bis hin zu «Keksen als Dank».
Ergebnis: 900 Wechsel in einem Jahr – ohne finanzielles Downgrade
Die Zahlen aus dem Case sind für ein regionales Haus deutlich:
- rund 900 Abos vom Print ins E-Paper migriert (nahezu 10 % der Gesamt-Abos)
- der Deckungsbeitrag: E-Paper mindestens gleichwertig bzw. leicht besser als Print
- starke Planungssicherheit durch Jahres- und 2-Jahres-Abos
Wichtig: Galledia sieht E-Paper nicht als «Übergangstechnologie», sondern als berechtigtes Produkt im Medienmix – gerade weil es kuratiert und abgeschlossen ist, aber digitale Vorteile nutzt.
Blick nach vorn: Warum «Digital Editions» die nächste logische Stufe sind
Purple zeigte im Ausblick, woran viele Verlage gerade anstossen: E-Paper wächst, aber das Leitgerät ist das Smartphone. Genau hier setzt das Konzept «Digital Edition» an:
Was ist eine Digital Edition?
Ein rein digitales, abgeschlossenes Ausgabenprodukt, zwischen E-Paper und Newsfeed. Es kann multimedial sein (Video/Audio), hat klare Veröffentlichungszeitpunkte und bleibt kuratiert.
Die Kernideen aus dem Webinar
- Smartphone-optimierte Navigation (Ressorts, Fortschritt, Orientierung)
- Tiefe ohne Kontextverlust: thematisch «weiterlesen» aus Archiv oder aktuellen News, dann zurück in die Ausgabe
- Personalisierung mit Augenmass: Interessen hervorheben, ohne Filterblase zu bauen
- Mehr Monetarisierungsoptionen: mehr Flächen, besseres Targeting, Analytics, Cross-Selling in Hybrid-Apps
- Maximaler Automationsgrad: Digital Edition erstellen, Newsletter/Podcast ableiten – ohne neue redaktionelle Overheads
Zielbild: Verlage sollen «Branchengrössen-Logik» (hochwertige digitale Ausgaben) nutzen können, ohne die Ressourcen grosser Häuser zu brauchen.
Fazit: E-Paper ist ein starker Hebel – Digital Edition die nächste Chance
Das Webinar hat gezeigt: E-Paper kann für kleinere und mittlere Häuser ein überraschend wirkungsvoller Transformationshebel sein – wenn Produktstabilität, klare Vermarktung und echte Unterstützung für die Nutzer zusammenkommen. Gleichzeitig wird deutlich: Wenn Smartphone-Nutzung dominiert, braucht es neue Ausgabenkonzepte. Digital Editions sind dafür ein vielversprechender nächster Schritt.

































