Rückblick Webinar Teil 3: Vom E-Paper zur Digital Edition: Wie Verlage jetzt umsetzen, was sonst nur Branchengrössen konnten

Am 22. Januar fand der dritte Teil unserer Webinarreihe mit Purple statt. Diesmal haben wir gemeinsam mit Galledia gezeigt, warum das E-Paper wächst, wie das regionale Medienhaus in kurzer Zeit messbar umstellt – und wohin die Reise mit «Digital Editions» als smartphone-optimierte Ausgabe geht.

Rückblick Webinar Teil 3: Vom E-Paper zur Digital Edition: Wie Verlage jetzt umsetzen, was sonst nur Branchengrössen konnten

Zu Beginn ordnete Christoph Brun (a&f systems) das Thema in den Publishing-Circle-Kontext ein: E-Paper war schon einmal «in aller Munde», flachte dann ab – und gewinnt jetzt wieder an Relevanz. Gründe sind neue Nutzungsmuster und neue Möglichkeiten, etwa durch Automatisierung und KI.

Benjamin Kolb (CTO & Mitgründer, Purple/Sprylab) lieferte dazu die Marktsicht:

  • E-Paper ist im deutschen Markt seit Jahren auf Wachstumskurs (IVW-Auswertung)
  • Der Branchenblick (BDZV-Trendumfrage) erwartete für 2025 sogar zweistelliges Wachstum – inklusive Erlösen
  • Spannend: Über 50 % der Nutzung erfolgt auf dem Smartphone – trotz «Zeitungsseite auf kleinem Screen»

Gerade dieser Punkt wird zum Treiber: Wenn das Smartphone Leitgerät ist, muss sich auch das Produkt weiterentwickeln.

Praxis-Case Galledia: «Wir digitalisieren unsere Leserinnen und Leser»

Martin Oswald (Verlagsleiter Regionalmedien, Galledia) zeigte sehr konkret, wie ein regionales Medienhaus in kurzer Zeit Wirkung erzielt hat – mit Fokus, Klarheit und einem starken Angebot.

1) Der Hebel: E-Paper statt «Subscription Game»

Galledia stand vor dem typischen Dilemma: Print rückläufig, Digital-Abos schwer skalierbar (Skills, Ressourcen, Technologie). Der strategische Entscheid: E-Paper priorisieren, weil sich hier «mit relativ wenig Aufwand viel bewirken» lässt – und weil die Zielgruppe bereit ist, für Journalismus zu zahlen.

2) Grundlage: ein stabiles, gutes Produkt

Der Wechsel von einer reinen PDF-Ansicht zu einer modernen E-Paper-Lösung (u. a. mit Artikelleseansicht und anpassbarer Schrift) war die Basis. Wichtig war dabei nicht nur «mehr Funktionen», sondern vor allem: Zuverlässigkeit. Nichts schadet mehr als Ausfälle am Morgen.

3) Vermarktung: persönlich, direkt, wirksam

Die stärkste Wirkung erzielte nicht eine digitale Kampagne, sondern ein Brief an die Abonnentinnen und Abonnenten – kombiniert mit einem klaren Angebot und Preisvorteil. Dazu kamen Präsenz-Aktionen (Messen, Tablet-Demos) und die klare Botschaft: E-Paper ist früh verfügbar – schneller als der Briefträger.

Das «All-in-One»-Bundle: Technologie + Service = Bindung

Ein zentraler Erfolgsfaktor bei Galledia war das Bundle: 2-Jahres-E-Paper-Abo inklusive Tablet (mit kleinem Selbstbehalt) – und der entscheidende Zusatz:

«Persönliches Einrichten vor Ort (ca. 30 Minuten)»

Galledia richtete die Geräte für die Käuferinnen und Käufer persönlich ein. Das reduzierte Hürden massiv – besonders bei einer Zielgruppe, die bei Accounts, Passwörtern, WLAN & Co. schnell überfordert ist.

Nebeneffekt mit grosser Wirkung: Leserbindung durch echte Begegnung.
Oswald beschrieb es treffend: 330 verkaufte Bundles bedeuten 330 Gespräche – inklusive Wertschätzung bis hin zu «Keksen als Dank».

Ergebnis: 900 Wechsel in einem Jahr – ohne finanzielles Downgrade

Die Zahlen aus dem Case sind für ein regionales Haus deutlich:

  • rund 900 Abos vom Print ins E-Paper migriert (nahezu 10 % der Gesamt-Abos)
  • der Deckungsbeitrag: E-Paper mindestens gleichwertig bzw. leicht besser als Print
  • starke Planungssicherheit durch Jahres- und 2-Jahres-Abos

Wichtig: Galledia sieht E-Paper nicht als «Übergangstechnologie», sondern als berechtigtes Produkt im Medienmix – gerade weil es kuratiert und abgeschlossen ist, aber digitale Vorteile nutzt.

Blick nach vorn: Warum «Digital Editions» die nächste logische Stufe sind

Purple zeigte im Ausblick, woran viele Verlage gerade anstossen: E-Paper wächst, aber das Leitgerät ist das Smartphone. Genau hier setzt das Konzept «Digital Edition» an:

Was ist eine Digital Edition?

Ein rein digitales, abgeschlossenes Ausgabenprodukt, zwischen E-Paper und Newsfeed. Es kann multimedial sein (Video/Audio), hat klare Veröffentlichungszeitpunkte und bleibt kuratiert.

Die Kernideen aus dem Webinar

  • Smartphone-optimierte Navigation (Ressorts, Fortschritt, Orientierung)
  • Tiefe ohne Kontextverlust: thematisch «weiterlesen» aus Archiv oder aktuellen News, dann zurück in die Ausgabe
  • Personalisierung mit Augenmass: Interessen hervorheben, ohne Filterblase zu bauen
  • Mehr Monetarisierungsoptionen: mehr Flächen, besseres Targeting, Analytics, Cross-Selling in Hybrid-Apps
  • Maximaler Automationsgrad: Digital Edition erstellen, Newsletter/Podcast ableiten – ohne neue redaktionelle Overheads

Zielbild: Verlage sollen «Branchengrössen-Logik» (hochwertige digitale Ausgaben) nutzen können, ohne die Ressourcen grosser Häuser zu brauchen.

Fazit: E-Paper ist ein starker Hebel – Digital Edition die nächste Chance

Das Webinar hat gezeigt: E-Paper kann für kleinere und mittlere Häuser ein überraschend wirkungsvoller Transformationshebel sein – wenn Produktstabilität, klare Vermarktung und echte Unterstützung für die Nutzer zusammenkommen. Gleichzeitig wird deutlich: Wenn Smartphone-Nutzung dominiert, braucht es neue Ausgabenkonzepte. Digital Editions sind dafür ein vielversprechender nächster Schritt.


Schauen Sie sich auch die weiteren Teile unserer gemeinsamen Webinarreihe mit Purple an.

Haben Sie Fragen zum Webinar oder zum Publishing Circle? Wir sind gerne für Sie da.